Urs Heinz Aerni

und was er so tut
Subscribe

Brauchen unsere Gärten GIs?

Mai 20, 2015 Von: Urs Heinz Aerni Kategorie: Allgemein

Seit etwa drei Jahren ist er weg. Unser Grauschnäpper. Auch der Fichtenkreuzschnabel saß vor Jahren zum letzten Mal auf einer Tannenspitze. Das Verschwinden dieser Vögel im Quartier ist die Quittung für das sogenannte verdichtete Bauen, die Opferung von Bäumen zugunsten Ziersträucher und der Auslagerung der Gartenarbeiten an umsatzorientierten Unternehmen.

 

Man erinnere sich an die Zeiten, in denen der Hauswart mit der Zigarre im Mundwinkel den Vorplatz wischte oder als der Hausbesitzer am Samstag da und dort die Ästchen abzwickte. Heute haben die Wohnungseigentümer für solche und ähnliche Arbeiten keinen Nerv, den verlieren sie lieber im Büro oder auf dem Bike. Deshalb beschließen Eigentümerversammlungen, den "Profis" auf Auftragsbasis den Umschwung zu überlassen. Dann kommen sie, ausstaffiert mit den Laubbläsern und stürzen sich als Möchtegern-GIs auf jedes herumliegende Blatt. Blitzeblank schaut das dann aus. Im Intervall von wenigen Wochen stehen Männer unter den Bäumen und rechen die dunkle Erde von jedem Laub frei. Maschinell rasiert ein Arbeiter die Lavendelstauden in voller Blütepracht anfangs August. Wohlverstanden, ein Mitarbeiter eines Gartenunternehmens, das wohl im Herbst keine Aufträge annehmen kann.

 

Gekillte Frösche

 

Gut, da gibt es die Architektin, die um ihre Neo-Bauhaus-Wohnblöcke Natur- und Magerwiesen wachsen und nur zweimal jährlich mähen lässt, soll ja auch nicht unerwähnt im löblichen Sinne bleiben. Die Freude darob erblasst ziemlich schnell angesichts deren Hausbesitzerin nebenan, die ihren Naturgarten in einen golfplatzartigen Rasen verwandeln lässt, da sie durch ihre Reisen keine Zeit für solche Nebensächlichkeiten hat. Nett sind zwar die beiden kleinen Weiher mitten drin aber die Rasenmäher lassen den winzigen Jungfröschen bei der Auswanderung keine Chancen mehr und nimmt sie alle unter die Messer.

Und wenn hier noch von dem Ehepaar erzählt werden soll, das eine stolze und schöne Tanne für eine abendliche Strapazierung der solariumgeprüfte Haut durch die untergehende Sonne fällen lässt, dann könnte man sich in Rage schreiben.

 

Neue Märkte

 

Sind wir soweit, dass Gärten und Grünanlagen in Vorstadtquartieren durch die Pro Natura vor gewinnmaximierenden Gärtnereien geschützt werden muss? Kann es sein, dass der ehemalige Anwalt fürs Grüne dank Renditedruck zum Feind für naturnahe Oasen wird? Ja, richtig, wir leben ja alle von Geld, Umsatz, Gewinn. Aber wir leben länger, besser und fröhlicher wenn ökologische Vielfalt auch vor der Haustüre statt findet. Liebe Unternehmen der grünen Zunft, wie wäre eine Verlagerung von Nullachtfünfzen-Dienstleistungen auf naturnahe Pflege mit dementsprechender Aufklärungs- und Beratungsangeboten? Wetten, dass ein geschäftsmäßiges "Brachland" nur darauf wartet, bearbeitet zu werden?

 

Nun, kurz vor Abgabe dieses Artikels sah ich in einer Nauturwiese vor dem Nachbarswohnblock zwei Gartenbauangestellte kauern, rupfend am Gras. Ich sprach einer der beiden an und machte ein Kompliment über diesen naturnahen Flecken. Er sah mich verdutzt an und fuchtelte mit der Hand ab und zeigte auf seinen Kollegen. Der Kollege drehte sich um und sagte: "Der versteht kein Deutsch". Ich wiederholte meine Begeisterung zu diesem Konzept der Naturwiese. Der Mann stand auf, an der Harke stützend gab er zur Antwort: "Keine Ahnung, was Sie meinen, wir müssen da nur bestimmte Gräser ausreißen ... aber ich sag es dem Chef weiter".

Nickend ging ich weiter und stellte mir die Frage ob ich mich mit diesem Herrn nicht eher über das nächste Formel 1-Rennen hätte unterhalten sollen.

 

Buchtipp zum Thema: Hecken für naturnahe Gärten von Dietrich, Gregor;, ISBN 978-3-7040-2155-7

Lyrik als Einspruch - Buchtipp

Mai 19, 2015 Von: Urs Heinz Aerni Kategorie: Allgemein

Er schreibt zwar Lyrik, kann sich aber in Rage reden, wenn von unserer Gesellschaft mit ihrem Getöse die Rede ist. Roland Merk rührt im Kaffee, im Bahnhofsbuffet Basel. Neben der Tasse liegt sein Buch "Wind ohne Namen", ein Buch, das ihm sichtlich am Herzen liegt. In lyrischer Sprache reflektiert Merk seine Beobachtungen, seine Gedanken, angesichts dessen, was ihn umtreibt. So wie er als Theaterautor sich mit der Vertreibung der Palästinenser durch Israel in den 40er Jahren auseinandersetzte, umkreist er nun literarisch gesellschaftliche Themen. Auf die Frage, ob das Schwergewicht in der Sprachkunst oder in der Kritik an der Umwelt liege, erklärt Merk, dass beides sich die Waage halte, so hoffe er; "Wo es Literatur heute mit dieser Welt aufnehmen will, so bescheiden ihre Strategien auch sind, so stösst sie, will sie nicht blind sein, immer wieder auf Verhältnisse, die Kritik an der Gesellschaft miteinschließen".

 

Vages Gefühl im Bauch
Roland Merk wurde für die Arbeit an diesem Buch durch die Literaturkommission der beiden Basler Kantone gefördert und auf die Frage, warum er sich für die Lyrikform entschieden habe, antwortet er: "Für dieses Buch hatte ich zunächst nur ein vages Gefühl im Bauch. Mir schwebte vor, so etwas wie ein literarisches Bild dieser so ratlosen und gleichzeitig von Katastrophe zu Katastrophe eilenden Epoche zu zeichnen. Dafür eignet sich nur die Lyrik!" Gerade wenn man in ein "offenes und unübersichtliches Feld" wage, wie die jetzige Zeit, eigne sich die Gedichtsform besser als jede andere literarische Gattung. Nach der Lektüre des Buches schwankt der Leser zwischen Streitlust und Resignation, ob dies Absicht ist? "Nein, und es wäre fatal, das zur Absicht machen zu wollen. Umgekehrt kann man aber auch nicht so daherkommen und den Leuten sagen, wir haben zwar verdammt viele Probleme auf dieser Erde, aber das packen wir schon".

 

Vom Wind zum Sturm
Roland Merk wuchs in Luzern und Lausanne auf, studierte in Zürich, Berlin und Bern Philosophie, Germanistik und Soziologie und lebt heute abwechslungseise in Basel und Paris. Mit seinem Dokumentartheater über den Nahostkonflikt "Replay Palestine" erhielt er eine Einladung an die Volksbühne Berlin.
Die Kaffetasse ist längst leer und Merk ist vertieft in seinen Überlegungen: "Wir alle wissen, mit Ausnahme von einigen Ewiggestrigen, dass wir gewissermassen mit 160 kmh auf eine Wand zufahren, deren Beschaffenheit und Härte uns die Wissenschaft beschrieben hat. Trotzdem tun wir so, als ob nichts geschehen wäre". Im Laufe des Gesprächs und der Lektüre mausert sich aus "Wind ohne Namen" zu einem "Sturm ohne Namen". Merk würde seine Art Lyrik als "Einspruch" bezeichnen.

 

Das Buch:

Merk, Roland
Wind ohne Namen
Gedichte
(Edition Acht) ISBN: 978-3-85990-155-1

Nach der FDP-Panne mit Kasachstan

Mai 18, 2015 Von: Urs Heinz Aerni Kategorie: Allgemein

Gutgläubigkeit, Falscheinschätzung und gar Naivität hätten zu dieser Affäre geführt. Jetzt werden klare Regeln für den Lobbyismus unter der Bundeshauskuppel gefordert, vor allem auch von der FDP selbst. Dem freisinnigen Ursprungsgedanke nicht abgeneigten Verfasser, gehen jedoch folgende Fragen durch den Sinn:
Wenn die Qualität der Eigenverantwortlichkeit von Regierungs- und Parlamentsmitgliedern Mängel aufweist und durch Reglemente im Interesse der Staatsverwaltung verbessert werden soll, wieso nicht ebenfalls in anderen Bereichen? Im Interesse für die Lebensqualität der ganzen Bevölkerung müsste dies doch genauso gelten? Warum werden Bereiche der Grundversorgung immer mehr Privaten überlassen, die ähnlich wie die PR-Agentur in der Kasachstan-Affäre eher an einem Umsatz interessiert sind und weniger an das Gesamtwohl denken? Wieso lassen Gemeinden eine Bauwut ohne Ende zu statt auf die Gesamtqualität der Region oder des Kantons zu achten? Weshalb wird immer mehr der Privatwirtschaft anvertraut, was eigentlich in die Kompetenz einer öffentlichen Verwaltung gehörte? Wenn überlebenswichtige Bereiche einer Gesellschaft wie Raumplanung, Energie, Natur- und Artenschutz, Bildung, Gesundheits- und Sozialversorung an gewinnorientierte Subunternehmen delegiert werden, so sind die Momente von Vertrauensbrüchen programmiert und neue Regeln müssten wieder her. Ich schätze eine Freiheit der Eigenverantwortung sehr aber es könnte trotzdem an der Zeit sein, in der Verantwortung gegenüber der Geselleschaft den Unterschied zwischen Rendite und Gemeinwohl deutlicher zu definieren. Oder nicht?

Urs Heinz Aerni (parteilos)

 

Mit Eleonore Frey und Guy Krneta in Lenzerheide

Mai 16, 2015 Von: Urs Heinz Aerni Kategorie: Allgemein

Talk und Lesung Guy Krneta und Eleonore Frey. Moderation Urs Heinz Aerni. In Zusammenarbeit mit der Gemeindebibliothek Lenzerheide und Hotel Schweizerhof Lenzerheide.

 

 

 

„Musikvielfalt, die kitzelt“ - die neue CD von Nicole Johänntgen

Mai 02, 2015 Von: Urs Heinz Aerni Kategorie: Allgemein

Nicole Johänntgen liebt ihr Saxophon, reist um die Welt, lebt in Zürich und bringt eine neue starke CD heraus. Ein Interview lesen Sie hier...

TonZeile mit Manuel Diener in Chur

April 29, 2015 Von: Urs Heinz Aerni Kategorie: Allgemein

Poesie muss mehr können! | Texte von Manuel Diener

Yannick Frateur + Jessica Mehling, Violinen | Kompositionen von G. Ligeti, J. S. Bach, B. Bartók

Wort und Ton haben in der Tonzeile ihre eigenen Räume, in denen sie sich entfalten können: Autoren versetzen die Gäste in die Stimmung ihrer Texte, und die Musiker lenken die Aufmerksamkeit mit ihren Tönen in eine andere Richtung, kommentierend, kontrapunktierend, kontrastierend.

Beginn ist am 3. Mai 2015 um 16.00 Uhr in der Lounge Restaurant Va Bene Chur. Wir freuen uns auf viele Zuhörende...

 

Mit Nicole Johänntgen, Mitra Devi und Peter Hänni in Grossaffoltern BE

April 28, 2015 Von: Urs Heinz Aerni Kategorie: Allgemein

Ein Abend rund um den Krimi mit Sax!
Mitra Devi und Peter Hänni lesen und geben Einblicke in das Krimischreiben. Nicole Johänntgen unterlegt den Abend mit Jazz aus dem Sax.

Kirchgemeindehaus Grossaaffoltern, Dorfstraße 19, 3257 Grossaffoltern

TonZeile mit Markus Bundi in Chur

April 16, 2015 Von: Urs Heinz Aerni Kategorie: Allgemein

Literatur und Musik – zwei Kunstformen, die auf unterschiedliche Weise den Zuhörer zu erreichen versuchen: Musik, gerade die Instrumentalmusik, macht gern einen grossen Bogen um alle Begriffe, regt zur freien Assoziation an, zielt in Regionen, die dem Denken mit dem Wort nicht zugänglich sind. Doch auch die Literatur, obwohl sie mit Begriffen hantiert, zielt nicht selten auf Stimmung, auf eine Atmosphäre, die sich im Kopf des Lesers – oder Hörers – bilden soll.

Sind Wort und Ton also Konkurrenten? Durchaus – und trotzdem können die beiden kaum ohne einander: Musik verbindet sich nur allzu gern mit dem Wort, mit Gesang, zeichnet gar mit Tönen Geschichten nach – und die Sprache selbst liefert immer schon ihre eigene Melodie mit: ihre Sprachmelodie. Wenn sich die beiden Künste verbinden, kann es zu einer glücklichen Ehe kommen – oder zum bösen Krach. Um letzteres zu vermeiden, haben Wort und Ton in der «Tonzeile» ihre eigenen Räume, in denen sie sich entfalten können: Autoren versetzen die Gäste in die Stimmung ihrer Texte, und die Musiker lenken die Aufmerksamkeit mit ihren Tönen in eine andere Richtung, kommentierend, kontrapunktierend, kontrastierend.

Am 19. April 2015 um 16 Uhr im Restaurant Va Bene Chur. Eintritt frei!

 

Wolfbach Verlag präsentiert in Zürich DIE REIHE

April 08, 2015 Von: Urs Heinz Aerni Kategorie: Allgemein

Jeanine Osborne, Elisabeth Wandeler-Deck, Thomas Doppler, Kai Hilpert, Janos Moser, Klaus Merz, Tanikawa Shuntaro, Raphael Urweider, Kaku Wakako, Edua: REIHE-Abend mit dem Wolfbach Verlag

Elias Schneitter im Literarischen Club Zürich

April 08, 2015 Von: Urs Heinz Aerni Kategorie: Allgemein

Elias Schneitter liest aus seinen Werken

Moderation: Elisabeth Boner

Mittwoch 8. April 2015 19.30 Uhr

Hôtel du Théâtre «La Suite» Lounge Seilergraben 69 8001 Zürich

Türöffnung 18.00 Uhr

Zusammen mit Bertram Haid gestaltete Elias Schneitter als Teil des Duos BAES bis 2005 wöchentliche Cartoons für diverse Zeitungen. Aus dieser Zusammenarbeit ist auch der Verlag Edition BAES hervorgegangen, den Elias Schneitter von Zirl aus betreibt. Dabei kommt das Konzept einer low lectured edition zur Anwendung.

Als Mitveranstalter des Literaturfestivals Sprachsalz in Hall in Tirol ist Elias Schneitter mittlerweile zu einem Promoter der amerikanischen Beatniks für den deutschsprachigen Raum geworden.